Dschungelabenteuer in El Panchan

Hola Amigos! Was wir euch heute erzählen, könnte auch als Film im Fernsehen kommen, aber wir
haben die Ereignisse wirklich so erlebt wie wir sie beschreiben!

Die heutige Busfahrt haben wir auf den Tag gelegt, weil auf dieser Strecke öfters Buse überfallen und ausgeraubt werden. So fahren wir um 11:20 Uhr von San Christobal Richtung Palenque. Anica ist während der ganzen Busfahrt sehr angespannt und hält bei jedem Langsamer werden des Busses Ausschau nach Verbrechern.

Der Blick durch das Fenster offenbart uns während der Fahrt Bauern in , Wellblechhütten, bewaffnete Männer an der Straße, Schilder, die von Rebellen besetzen Zonen anzeigen, und Militärstützpunkte. An einer Stelle kommt der Bus für längere Zeit vor einer Menschenmenge zum Stehen. Bekannte, die wir später noch kennenlernen, erzählen uns, dass der Busfahrer daraufhin einen Knüppel hinter seinem Sitz hervorholt, die Tür öffnet und verschwindet. Allmählich wird es unruhig im Bus und die Leute vor uns auf den Plätzen werfen suchende Blicke durch die Frontscheibe des Busses. Das Einzige, das wir von unserem Platz aus sehen, ist die  eingerissene Scheibe eines anderen Busses auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es dauert eine geraume Zeit bis der Busfahrer wieder seinen Platz einnimmt und die Fahrt fortsetzt. Doch es war wohl “nur” ein Verkehrsunfall mit einem anderen Bus.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Palenque und wollen uns gerade auf die Suche nach einem Bus nach “El Panchan” machen, als wir von einem deutschen Paar (Anna & Nicki) angesprochen werden, ob wir uns ein Taxi teilen wollen. Gesagt, getan, packen wir alle unsere Backpacks in das viel zu kleine Taxi und werden für 50 Pesos im Dschungel raus gelassen.

El Panchan

Hier haben wir jetzt verschiedene Möglichkeiten unterzukommen. Wir folgen dem Ratschlag von Pepe und nehmen trotz Riesenspinne die gemütliche Cabanna am Fluß (100 Pesos). Anna und Nicki sind die Löcher im Moskitonetz zu groß, deshalb entscheiden sie sich für das gegenüberliegende, etwas teurere Hostel Margharita & Ed’s.

Nachdem wir unser Moskitonetz über dem Bett ausgebreitet haben und Sven die Spinne professionell eingefangen und freigelassen hat, legen wir unsere kleinen Rucksäcke auf den Tisch und lassen den Rest auf den löchrigen Diehlen stehen. Wir erkunden ein wenig die Umgebung und beobachten die Pflanzen- und Tierwelt des Dschungels.

Gegen 19:30 Uhr bestellen wir jeder eine Pizza im nahegelegen “Don Mucho” Restaurant. Dort spielen den Abend über verschiedene Musiker im Stil von Jack Johnson und Bob Marley. Später gesellen sich Nicki und Anna zu uns, wir tauschen bisherige Reiseerfahrungen aus und unterhalten uns sehr gut.

Nach einiger Zeit setzt der gewöhnliche Regen ein, was uns im Trockenen nicht weiter stört. Nach einiger Zeit hat es immer noch nicht aufgehört zu regnen und ein heftiges Gewitter zieht auf. Anfangs hoffen wir alle noch darauf, dass es so schnell vorüberzieht, wie es gekommen ist. Aber als das Wasser bereits auf 1/4 der Stuhlhöhe steht, wir in einem Fluß sitzen und das Licht nach einem Blitzschlag ausfällt, wird uns der Ernst der Lage bewusst. Ein etwas unterhalb des Restaurants geparktes Auto ist bereits fast vollständig in den Fluten des Regens verschwunden. Auch die Brücke, über die wir vorher gekommen sind, ist nicht mehr sichtbar. Und es hört nicht auf zu regnen! Nicki, der wie Anna gut spanisch spricht, fragt einen Kellner wie es um unsere Cabanas steht. Die Antwort lautet: Jungle Palace auf jeden Fall unter Wasser und Magarita und Ed wahrscheinlich trocken!

Nach einiger Zeit steigt das Wasser bis auf Stuhlhöhe und es wird für uns Zeit zu handeln. Zu sechst machen wir uns mit zwei Kerzen durch den Hintereingang auf den Weg zu unseren Hütten. Vorsichtig tasten wir uns Schritt für Schritt durch die Dunkelheit durch das Wasser und gelangen durchnässt zu den Eingängen unserer Hostels. Das Geländer der Brücke, die zu unserer Hütte führt, ist nur noch an der höchsten Stelle zu sehen, aber unterhalb davon fließt ein reißender Strom. Als wir uns auf den Weg machen wollen, stürmen zwei Mexikaner des Dorfes herbei und halten uns auf. Ab hier trennen sich unsere Wege.

Anicas Version

Wir, ich und das holländische Paar wissen nicht wohin. Vollkommen durchnässt flüchten wir in das gemietete Auto der Niederländer. Sven und ein paar Mexikaner wollen unser Gepäck retten, wir sollen ihre Rückkehr im Auto erwarten. Nach einer halben Ewigkeit kommen die Mexikaner zurück, aber kein Sven. Aufgeregt frage ich einen von ihnen, wo Sven geblieben ist, doch mir wird versichert, dass alle in Sicherheit, nur eben auf der anderen Seite des Flusses sind und da auch bleiben müssen. Nagut, doch was nun? Wir drei werden aufgefordert mitzukommen. Wieder müssen wir uns durch den Dschungel tasten und werden zu einem etwas abseits stehenden Haus geführt. Dort bekommen wir zu dritt ein Zimmer. Immerhin liegen dort Decken bereit. Schnell steigen wir aus unseren triefenden Klamotten und versuchen nach der Aufregung zu schlafen. Das Einzige, was wir bei uns haben, sind unsere Wertsachen in einer Plastiktüte! Meine Gedanken kreisen um den Abend und Sven, der irgendwo auf der anderen Seite des Flusses ist. Doch nach einer Weile schlafe ich erschöpft ein und träume von Wasser, das mein Bett hochhebt und wegträgt. Es regnet noch einige Stunden weiter, aber als es hell wird, tropft es nur noch von den Bäumen. Sofort ziehe ich meine immer noch nassen Sachen an und suche nach Sven, den ich vor unserer Hütte treffe, wo er mir seine Version der Nacht erzählt.

Svens Version

Anica sitzt schon mal im Trockenen, nun müssen da nur noch unsere Sachen hin. Ich biete den Mexikanern meine Hilfe an und wir versuchen, zu fünft die starke Strömung zu überqueren. Was mir als erstes einfällt, ist eine Überquerungsmöglichkeit mit Hilfe eines Seils. Da ich ja so super Spanisch kann und die Mexikaner so gut Englisch sprechen, behalte ich den Gedanken einfach mal für mich und warte ab, wie das auf mexikanische Art und Weise gemacht wird. Sie holen eine lange Metallkette und der Tolkühnste schwimmt ein gutes Stück vor der Stelle auf die andere Seite und findet Halt bei einer Cabana. Nun hangeln wir uns alle nach und nach durch den stärksten Teil der Strömung auf die andere Seite. Bis zur Brust steht uns das Wasser und ich kämpfe mich mit dem Anführer der Mexikaner weiter zu unserer Cabana “Coco”. Wir kommen an den bereits leeren Hütten vorbei und ich sehe dort schon Matratzen umherschwimmen. Wie wird es wohl bei uns aussehen? Ist das Gebäck überhaupt noch da? Der Fotoaparat und die Wertsachen sind bei Anica, aber Laptop, externe Festplatte etc. sind im Rucksack. Dort angekommen öffnet der Mexikaner die Tür, während ich warten soll. Ich muss richtig schwimmen um unsere Hütte zu erreichen, er reicht mir seinen Arm und ich bin drin. Das Wasser geht mir in der Hütte bis zum Bauchnabel. Die kleinen Rucksäcke liegen noch trocken auf dem Tisch. Anicas Lowa und die großen Rucksäcke schwimmen wie Boote im Wasser herum.

Schnell stopfe ich die restlichen Sachen in die durchnässten und deshalb doppelt so schweren Rucksäcke und wir machen uns auf zu den Cabanas im zweiten Stock. Hier sind bereits weitere Flüchtlinge eingekehrt. Der Mexikaner (Henry) sagt noch irgendetwas zu mir, ich zeige ihm mit den Händen, dass ich hier bleibe und er verschwindet wieder die Treppe herunter mit seinen Freunden zurück durch die Strömung auf die andere Seite. Kurz überlege ich, ob ich mitgehe, aber was ist dann mit unseren Sachen? Hier alleine zurück lassen?

Klatschnass sitze ich in der Cabana und warte darauf, dass der Regen bald aufhört. Ich unterhalte mich währenddessen gut mit einem Deutsch-Italiener und warte auf besseres Wetter. Nach zwei Stunden lässt dann tatsächlich der Wasserstand nach und ich wage den Weg über die Brücke zum Auto, wo ich Anica das letzte Mal gesehen habe, kann sie aber nicht finden. Was nun? Schlafen! Aber wo? Zurück in unsere Hütte, da wird mich Anica morgen am Ehesten vermuten.

Das Wasser ist aus dem Raum verschwunden, nur eine schmierige Schlammschicht bleibt auf dem Boden zurück. Ich hole die Rucksäcke, deponiere sie auf dem trockenen Tisch, breite meine Isomatte auf der nassen Bettmatratze unter dem Moskitonetz aus und versuche zu schlafen. Die Regenstärke hat nachgelassen, aber es hört immer noch nicht ganz auf zu regnen. Der nasse Boden und der nasse Sven werden eins und ich schlafe ein.

“Transportation to Flores!” reißt mich die Stimme eines Mexikaners laut neben mir aus dem Schlaf. Ich schrecke auf. Ein Busfahrer, der seine Mitreisenden sucht. Ich rappel mich auf und kann immer noch nicht ganz glauben was gestern alles passiert ist. Das Abenteuer Dschungel! Draußen höre ich die Stimme von Anica und bin gespannt darauf zu erfahren, wie sie die Nacht verbracht hat.