Kajak-Elefanten-Tour

Morgens paddeln wir mit Kajaks durch einen Canyon und füttern Affen, nachmittags reiten wir auf Elefanten durch den Dschungel

Früh starten wir in den Tag, weil wir noch die Roller vollgetankt zurückbringen müssen. Danach noch schnell frühstücken und dann werden wir auch schon um 8:20 Uhr von unseren Guides für den heutigen Tag abgeholt. Der erste Teil der Tour besteht aus einem Kajaktrip durch den Canyon Ao Thalane. Am Ableger angekommen, werden wir mit Tee und Kaffee begrüßt und mit wasserdichten Beuteln ausgestattet. Kurz darauf sitzen wir auch schon im Boot und paddeln umringt von schöner Landschaft auf eine Sandbank zu, Hier stoppen wir kurz und entdecken das Leben der anfangs unbewohnten wirkenden Sandhaufen. Überall ist es am Krabbeln und hunderte von Krebsen suchen ihren Weg weg von unseren Füßen. Etwas weniger hektisch sind die Seesterne, die vereinzelt in Pfützen zu finden sind.

Nach dem kurzen Stop fahren wir zur gegenüber liegenden Felswand, die von Affen bewohnt wird. Ein Teil der Gruppe hat sich mit Bananen eingedeckt um die kleinen frechen Kerle zu füttern. Danach führen uns die Guides zwischen die Felsen und nach einiger Zeit befinden wir uns in einem sehr hohen und schön bewachsenen Canyon. Die Führer machen uns auf Amphibien aufmerksam, die im Schlamm leben und erklären einiges über die Pflanzenwelt. Mittlerweile ist der Wasserstand niedriger geworden: Wir können nicht mehr weiterfahren und müssen umkehren. Auf dem Rückweg halten wir erneut bei einem Affengebiet, wo wir die Schalen unserer Obstreste an sie verfüttern.

Als wir wieder zurück am Pier sind, werden wir in einen Bus verladen und zu einem sehr luxuriösen Restaurant gebracht. Wir selber hätten uns diese Räumlichkeit nicht ausgesucht, da aber das Essen inbegriffen ist, brauchen wir uns um hohe Preise keine Gedanken machen. Das essen sieht vorzüglich aus und schmeckt auch so. Danach werden wir zum Phunaka Elefant Trekking gebracht. Von einer Platform aus steigen wir auf die Elefanten und nehmen zunächst auf einem Sitz Platz. Es schaukelt schon ziemlich und ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, aber wir gewöhnen uns an den schwankenden Gang und die schlackernden Ohren unserer Elefantendame. Als wir den Metallstab sehen, mit dem die Elefanten angetrieben werden, bekommen wir im ersten Moment ein schlechtes Gewissen, zu dieser Art Ausbeutung der Tiere beizutragen und das nur zu unserem Spaß. Doch merken wir auch, dass zum Teil eine sehr positive Beziehung zwischen Elefant und Führer besteht und die Tiere sich wenigstens gegenseitig haben. Also beginnen wir unseren Ritt zu genießen. immer wieder wird angehalten, damit die Elefanten trinken oder Äste futtern können.

Nach einer halben Stunde dürfen wir aus unserem Sitz steigen und direkt auf dem borstigen Rücken sitzen. Dabei bekommen wir zwar viel die Ohren an die Beine geschlagen, erleben aber hautnah wie es sich anfühlt, auf einem Elefanten zu reiten. Als wir abgestiegen sind, bekommt Naa, unser Elefant, einen Korb Bananen spendiert, die wir ihr direkt in den Rüssel geben können. Erfüllt kehren wir zurück ins Hotel und ruhen uns aus. Abends suchen wir uns ein Restaurant und spielen danach noch mit Mandy und Micheal drei Runden Billard, die wir alle verlieren. 

Über Wurzeln und Würmer

Bei unserer Wanderung durch den Dschungel des Taman Negara steigen wir viel über Baumwurzeln und treffen hier unsere “Freunde”, die Blutwürmer, wieder

Um 6 Uhr morgens werden wir schlagartig wach, denn in der Moschee neben unserem Hostel wird lauthals das morgendliche Gebet angestimmt, das uns von nun an jeden Morgen und Abend begleitet. Nach dem ersten Schreck gewöhnen wir uns an den Gesang, haben danach aber Probleme wieder einzuschlafen. Deshalb verschieben wir die geplante Aufstehzeit um eine halbe Stunde nach hinten auf 7:30 Uhr. Dann packen wir unsere Tagesrucksäcke und begeben uns zum Family Restaurant fürs Frühstück. Durch Gemüseomlette und Saft gestärkt, lassen wir uns von einem Boot zum Taman Negara National Park übersetzen und beginnen unsere Wanderung zunächst am Fluss entlang in nördliche Richtung, Der Weg ist erst recht eben und bequem zu gehen, wir merken aber, dass er deutlich schwieriger wird als der Hauptweg zum “Canopy Walkway” abzweigt. Danach müssen wir zum Teil über Wurzeln und Baumstümpfe klettern, durch Bäche und der Weg ist nicht immer klar ersichtlich. Wir haben diese Route gewählt, weil hier gestern Elefanten gesichtet wurden. Die lassen sich nicht blicken, dafür entdecken wir umso mehr Blutwürmer auf dem Weg und auf unseren Schuhen, Hosen und Socken, sodass Anica schon etwas die Krise kriegt (zumal sie sich nicht so einfach entfernen lassen wie erhofft). Tapfer laufen wir weiter und dann raschelt es auch im Gebüsch, wir vernehmen ein Knurren und zwei dunkelgraue Tiere entfernen sich. Kurz darauf hören wir ein böses Knurren, worauf Anica nicht mehr weiterlaufen möchte und wir umdrehen. Ist schon etwas unheimlich, so ein Dschungel!

Der Rückweg ist jedoch nicht weniger spannend. Jetzt biegen auch wir zum Canopy Walkway ab und finden uns auf der längsten Hängebrücke der Welt wieder. Auf 45 Metern über dem Boden laufen wir auf schwankenden, 10m langen Leitern zwischen den Bäumen umher und erfahren den Regenwald in einer anderen Dimension. Wieder am Boden setzen wir unsere Wanderung zum Bukit Teresek fort, einem Berg, von dem man Ausblicke auf den Dschungel genießt. In einem Bogen laufen wir zurück zum Anleger. Dabei passieren wir eine Lichtung, auf der wir mehrere Affen beobachten können, wie sie sich jagen und von Baum zu Baum springen. Ein großer, grauer Affe ist auch dabei, der wohl typisch für die Gegend hier ist. Auf dem letzten Stück können wir beobachten bis wohin eine vorherige Überschwemmung ging, denn alles darunter liegende ist braun-weißlich gefärbt. In der Nähe des Ausgangspunktes verbringen wir noch eine Weile mit Libellen- uns Schmetterlingsbeobachtung, bevor uns das Boot wieder zurück nach Kalau Tahan bringt.

Ziemlich geschafft und vollkommen nassgeschwitzt springen wir im Hostel unter die Dusche, Sven erwartet beim Ausziehen eine blutige Überraschung am Bauch. Da hat es doch wohl tatsächlich einer dieser hartnäckicken “Leeches” bis hier hoch geschafft und ordentlich Blut gesaugt. Das Problem ist vor allem, dass sie Blutverdünner benutzen und dadurch die Blutung schwer zu stillen ist. Vor allem fragen wir uns, wo der Wurm hin ist. Womöglich befindet er sich “in” Sven? (Entwarnung bekommen wir am nächsten Tag von einer Einheimischen, die uns versichert, dass sie nur saugen und dann irgendwann abfallen). Auf den Schreck müssen wir was essen und laufen ins Dorf. Diesmal probieren wir ein anderes Restaurant aus, das eine etwas abwechslungsreichere Speisekarte besitzt, und gönnen uns nach dem Essen sogar noch einen Pancake-Nachtisch. Danach lesen wir im Hostelzimmer und warten bis das Abendgebet in der Moschee gesprochen wird. 

Dschungeltour durch El Panchan

Das Abenteuer geht weiter, auf den Spuren der Maya im Dschungel von El Panchan

Nachdem wir wieder zueinander gefunden haben, prüfen wir den Schaden. Alles ist nass und stinkt, doch manche Dinge mehr und andere weniger. Es ist mittlerweile kurz vor 8 Uhr, eigentlich haben wir um diese Uhrzeit eine Tour vereinbart, bei der  wir den Dschungel gezeigt bekommen sollen. Da unser Führer (Henry) in der Nacht  geholfen hat und überall Ausnahmezustand herrscht, wissen wir nicht recht, ob die Tour überhaupt stattfindet.

Aber um kurz nach acht taucht Henry wirklich auf, es kann losgehen! Wir fahren in   das Naturschutzgebiet bis fast zu den Ruinen und gehen einen kleinen Weg in den Dschungel. Zuerst sind wir beide etwas enttäuscht- wie das soll eine Dschungeltour sein und wir laufen Wege? Doch als wir einen Bach queren, verlassen wir den Pfad und wandern bachaufwärts. Bald kommen wir zum ersten Wasserfall, den wir hochklettern und sofort wieder klatschnass sind- langsam gewöhnen wir uns an die Nässe;-). Immer macht uns Henry auf bestimmte Pflanzen aufmerksam und erklärt uns wie man sie als Heilkräuter benutzt, gegen welche Krankheiten sie helfen etc.

Auch einige Tiere können wir sehen, u.a. Tukane, Affen, Krebse (die plötzlich vor Anica im Fluss umher krabbeln), aber auch einige immense Termitenhaufen, riesige Spinnen, grüne Giftschlangen kreuzen unseren Weg. Wir laufen staunend umher, lassen Gerüche, Farben und Geräusche auf uns wirken. Die Blüten und Früchte (Zitronen, Chilis, Kakaobohnen) faszinieren uns. Abwechselnd geht es einen Weg entlang, querfeldein und Bäche aufwärts. Erneut steuern wir auf  einen Wasserfall zu, diesmal ist er riesig. Die Steine sind etwas rutschig beim Hochklettern. Henry ruft “Vorsicht” und automatisch greife ich nach dem nächsten Baum, um mich festzuhalten. Fast hätte das fatal geendet: Ich fasse in den Dornenbaum, vor dem mich Henry warnen wollte. Seine Stacheln, die ich glücklicherweise sofort entfernen kann, ohne dass sie in mein Blut eindringen konnten, sind so giftig, dass sie töten können. Ab jetzt sind wir vorsichtiger! Doch Henry zeigt uns auch die Pflanze, deren   Blätter das Gegengift enthalten, um die Vergiftung aufzuhalten. Bald darauf wartet das nächste Abenteuer. Wir stoßen auf eine halbverschüttete Mayabrücke, die wir im Stockdunkeln durchklettern. Die Strömung ist stark und der Tunnel eng. Langsam tasten wir uns vorwärts.

Plötzlich zückt Henry sein Handy und beleuchtet eine Ecke. In dem Moment schauen uns Fledermäuse an und flattern los. Anica schreit, als sie ihre Haare streifen. Sven, der ein Stück weiter hinten ist und die Fledermäuse nicht gleich sieht, weiß nicht genau was passiert ist. Während er danach noch einmal zurückkehrt um Fotos zu machen, erklärt Henry Anica, dass sie wirkliche Blutsauger sind und auch Menschenblut zu sich nehmen, aber dies zum Glück nicht bei sich zu Hause tun, sondern nur außerhalb. Später passieren wir einen noch nicht freigelegten, überwachsenen Mayatempel und einige verschüttete Mayawohnstätten. Nach dieser 4-stündigen, persönlichen Tour sind wir total K.O., aber glücklich. Dies war ein absolutes Highlight unserer bisherigen Reise! Zurück im Jungle Palace verabschieden wir uns von Henry und gehen erst einmal Mittag essen.

Gestärkt machen wir uns auf den Weg zu den Ruinen von Palenque. Der Anblick ist wieder einmal überwältigend. Die riesigen, in über hundert Jahren gebauten, mathematisch exakt ausgerichteten Gebäude sind diesmal umgeben von de Natur des Dschungels. Die Ruinen gehören zu den besterhaltendsten von Mexico, sind aber leider erst zu 5% freigelegt. Diesmal ist die Hauptpyradmide sogar komplett begehbar und so bekommen wir einen sehr guten Einblick in den inneren Aufbau. Nach ausgiebiger Besichtigung machen wir uns erschöpft zurück zum Jungle Palace um unsere Rucksäcke zu packen. Dank unseren Kompressionbeuteln finden wir noch etwas Trockenes zum Anziehen. Wir wollen gegen 21:00 Uhr den Bus weiter nach Merida nehmen, weil es in Palenque wenig Wachmöglichkeiten und weiter nichts besonderes zu sehen gibt. So ringen wir unsere nasses Gepäck notdürftig aus und verstauen es gut. Die Fahrt zum Bus, starten wir gegen 18:00 Uhr weil wir von erneuten Unwetterwarnungen gehört haben.

Wir wollen jetzt erst einmal weitestgehend trocken bleiben. S0 warten wir einige Stunden am Bahnhof, bekommen aber später Gesellschaft von Anna & Nicki geleistet, die ihre Tour weiter nach Tulum fortsetzen. Da unsere Reiseunterlagen alle nass und unbrauchbar sind, nutzt Anica die Gelegenheit und kopiert sich von ihnen die nötigen Seiten aus dem Lonely Planet für die Weiterreise. Wir fahren pünktlich ab und schlafen nach einigen Militärkontrollen endlich ein.

Dschungelabenteuer in El Panchan

Hola Amigos! Was wir euch heute erzählen, könnte auch als Film im Fernsehen kommen, aber wir
haben die Ereignisse wirklich so erlebt wie wir sie beschreiben!

Die heutige Busfahrt haben wir auf den Tag gelegt, weil auf dieser Strecke öfters Buse überfallen und ausgeraubt werden. So fahren wir um 11:20 Uhr von San Christobal Richtung Palenque. Anica ist während der ganzen Busfahrt sehr angespannt und hält bei jedem Langsamer werden des Busses Ausschau nach Verbrechern.

Der Blick durch das Fenster offenbart uns während der Fahrt Bauern in , Wellblechhütten, bewaffnete Männer an der Straße, Schilder, die von Rebellen besetzen Zonen anzeigen, und Militärstützpunkte. An einer Stelle kommt der Bus für längere Zeit vor einer Menschenmenge zum Stehen. Bekannte, die wir später noch kennenlernen, erzählen uns, dass der Busfahrer daraufhin einen Knüppel hinter seinem Sitz hervorholt, die Tür öffnet und verschwindet. Allmählich wird es unruhig im Bus und die Leute vor uns auf den Plätzen werfen suchende Blicke durch die Frontscheibe des Busses. Das Einzige, das wir von unserem Platz aus sehen, ist die  eingerissene Scheibe eines anderen Busses auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es dauert eine geraume Zeit bis der Busfahrer wieder seinen Platz einnimmt und die Fahrt fortsetzt. Doch es war wohl “nur” ein Verkehrsunfall mit einem anderen Bus.

Gegen 17:00 Uhr erreichen wir Palenque und wollen uns gerade auf die Suche nach einem Bus nach “El Panchan” machen, als wir von einem deutschen Paar (Anna & Nicki) angesprochen werden, ob wir uns ein Taxi teilen wollen. Gesagt, getan, packen wir alle unsere Backpacks in das viel zu kleine Taxi und werden für 50 Pesos im Dschungel raus gelassen.

El Panchan

Hier haben wir jetzt verschiedene Möglichkeiten unterzukommen. Wir folgen dem Ratschlag von Pepe und nehmen trotz Riesenspinne die gemütliche Cabanna am Fluß (100 Pesos). Anna und Nicki sind die Löcher im Moskitonetz zu groß, deshalb entscheiden sie sich für das gegenüberliegende, etwas teurere Hostel Margharita & Ed’s.

Nachdem wir unser Moskitonetz über dem Bett ausgebreitet haben und Sven die Spinne professionell eingefangen und freigelassen hat, legen wir unsere kleinen Rucksäcke auf den Tisch und lassen den Rest auf den löchrigen Diehlen stehen. Wir erkunden ein wenig die Umgebung und beobachten die Pflanzen- und Tierwelt des Dschungels.

Gegen 19:30 Uhr bestellen wir jeder eine Pizza im nahegelegen “Don Mucho” Restaurant. Dort spielen den Abend über verschiedene Musiker im Stil von Jack Johnson und Bob Marley. Später gesellen sich Nicki und Anna zu uns, wir tauschen bisherige Reiseerfahrungen aus und unterhalten uns sehr gut.

Nach einiger Zeit setzt der gewöhnliche Regen ein, was uns im Trockenen nicht weiter stört. Nach einiger Zeit hat es immer noch nicht aufgehört zu regnen und ein heftiges Gewitter zieht auf. Anfangs hoffen wir alle noch darauf, dass es so schnell vorüberzieht, wie es gekommen ist. Aber als das Wasser bereits auf 1/4 der Stuhlhöhe steht, wir in einem Fluß sitzen und das Licht nach einem Blitzschlag ausfällt, wird uns der Ernst der Lage bewusst. Ein etwas unterhalb des Restaurants geparktes Auto ist bereits fast vollständig in den Fluten des Regens verschwunden. Auch die Brücke, über die wir vorher gekommen sind, ist nicht mehr sichtbar. Und es hört nicht auf zu regnen! Nicki, der wie Anna gut spanisch spricht, fragt einen Kellner wie es um unsere Cabanas steht. Die Antwort lautet: Jungle Palace auf jeden Fall unter Wasser und Magarita und Ed wahrscheinlich trocken!

Nach einiger Zeit steigt das Wasser bis auf Stuhlhöhe und es wird für uns Zeit zu handeln. Zu sechst machen wir uns mit zwei Kerzen durch den Hintereingang auf den Weg zu unseren Hütten. Vorsichtig tasten wir uns Schritt für Schritt durch die Dunkelheit durch das Wasser und gelangen durchnässt zu den Eingängen unserer Hostels. Das Geländer der Brücke, die zu unserer Hütte führt, ist nur noch an der höchsten Stelle zu sehen, aber unterhalb davon fließt ein reißender Strom. Als wir uns auf den Weg machen wollen, stürmen zwei Mexikaner des Dorfes herbei und halten uns auf. Ab hier trennen sich unsere Wege.

Anicas Version

Wir, ich und das holländische Paar wissen nicht wohin. Vollkommen durchnässt flüchten wir in das gemietete Auto der Niederländer. Sven und ein paar Mexikaner wollen unser Gepäck retten, wir sollen ihre Rückkehr im Auto erwarten. Nach einer halben Ewigkeit kommen die Mexikaner zurück, aber kein Sven. Aufgeregt frage ich einen von ihnen, wo Sven geblieben ist, doch mir wird versichert, dass alle in Sicherheit, nur eben auf der anderen Seite des Flusses sind und da auch bleiben müssen. Nagut, doch was nun? Wir drei werden aufgefordert mitzukommen. Wieder müssen wir uns durch den Dschungel tasten und werden zu einem etwas abseits stehenden Haus geführt. Dort bekommen wir zu dritt ein Zimmer. Immerhin liegen dort Decken bereit. Schnell steigen wir aus unseren triefenden Klamotten und versuchen nach der Aufregung zu schlafen. Das Einzige, was wir bei uns haben, sind unsere Wertsachen in einer Plastiktüte! Meine Gedanken kreisen um den Abend und Sven, der irgendwo auf der anderen Seite des Flusses ist. Doch nach einer Weile schlafe ich erschöpft ein und träume von Wasser, das mein Bett hochhebt und wegträgt. Es regnet noch einige Stunden weiter, aber als es hell wird, tropft es nur noch von den Bäumen. Sofort ziehe ich meine immer noch nassen Sachen an und suche nach Sven, den ich vor unserer Hütte treffe, wo er mir seine Version der Nacht erzählt.

Svens Version

Anica sitzt schon mal im Trockenen, nun müssen da nur noch unsere Sachen hin. Ich biete den Mexikanern meine Hilfe an und wir versuchen, zu fünft die starke Strömung zu überqueren. Was mir als erstes einfällt, ist eine Überquerungsmöglichkeit mit Hilfe eines Seils. Da ich ja so super Spanisch kann und die Mexikaner so gut Englisch sprechen, behalte ich den Gedanken einfach mal für mich und warte ab, wie das auf mexikanische Art und Weise gemacht wird. Sie holen eine lange Metallkette und der Tolkühnste schwimmt ein gutes Stück vor der Stelle auf die andere Seite und findet Halt bei einer Cabana. Nun hangeln wir uns alle nach und nach durch den stärksten Teil der Strömung auf die andere Seite. Bis zur Brust steht uns das Wasser und ich kämpfe mich mit dem Anführer der Mexikaner weiter zu unserer Cabana “Coco”. Wir kommen an den bereits leeren Hütten vorbei und ich sehe dort schon Matratzen umherschwimmen. Wie wird es wohl bei uns aussehen? Ist das Gebäck überhaupt noch da? Der Fotoaparat und die Wertsachen sind bei Anica, aber Laptop, externe Festplatte etc. sind im Rucksack. Dort angekommen öffnet der Mexikaner die Tür, während ich warten soll. Ich muss richtig schwimmen um unsere Hütte zu erreichen, er reicht mir seinen Arm und ich bin drin. Das Wasser geht mir in der Hütte bis zum Bauchnabel. Die kleinen Rucksäcke liegen noch trocken auf dem Tisch. Anicas Lowa und die großen Rucksäcke schwimmen wie Boote im Wasser herum.

Schnell stopfe ich die restlichen Sachen in die durchnässten und deshalb doppelt so schweren Rucksäcke und wir machen uns auf zu den Cabanas im zweiten Stock. Hier sind bereits weitere Flüchtlinge eingekehrt. Der Mexikaner (Henry) sagt noch irgendetwas zu mir, ich zeige ihm mit den Händen, dass ich hier bleibe und er verschwindet wieder die Treppe herunter mit seinen Freunden zurück durch die Strömung auf die andere Seite. Kurz überlege ich, ob ich mitgehe, aber was ist dann mit unseren Sachen? Hier alleine zurück lassen?

Klatschnass sitze ich in der Cabana und warte darauf, dass der Regen bald aufhört. Ich unterhalte mich währenddessen gut mit einem Deutsch-Italiener und warte auf besseres Wetter. Nach zwei Stunden lässt dann tatsächlich der Wasserstand nach und ich wage den Weg über die Brücke zum Auto, wo ich Anica das letzte Mal gesehen habe, kann sie aber nicht finden. Was nun? Schlafen! Aber wo? Zurück in unsere Hütte, da wird mich Anica morgen am Ehesten vermuten.

Das Wasser ist aus dem Raum verschwunden, nur eine schmierige Schlammschicht bleibt auf dem Boden zurück. Ich hole die Rucksäcke, deponiere sie auf dem trockenen Tisch, breite meine Isomatte auf der nassen Bettmatratze unter dem Moskitonetz aus und versuche zu schlafen. Die Regenstärke hat nachgelassen, aber es hört immer noch nicht ganz auf zu regnen. Der nasse Boden und der nasse Sven werden eins und ich schlafe ein.

“Transportation to Flores!” reißt mich die Stimme eines Mexikaners laut neben mir aus dem Schlaf. Ich schrecke auf. Ein Busfahrer, der seine Mitreisenden sucht. Ich rappel mich auf und kann immer noch nicht ganz glauben was gestern alles passiert ist. Das Abenteuer Dschungel! Draußen höre ich die Stimme von Anica und bin gespannt darauf zu erfahren, wie sie die Nacht verbracht hat.