Das Abenteuer geht weiter, auf den Spuren der Maya im Dschungel von El Panchan
Nachdem wir wieder zueinander gefunden haben, prüfen wir den Schaden. Alles ist nass und stinkt, doch manche Dinge mehr und andere weniger. Es ist mittlerweile kurz vor 8 Uhr, eigentlich haben wir um diese Uhrzeit eine Tour vereinbart, bei der wir den Dschungel gezeigt bekommen sollen. Da unser Führer (Henry) in der Nacht geholfen hat und überall Ausnahmezustand herrscht, wissen wir nicht recht, ob die Tour überhaupt stattfindet.
Aber um kurz nach acht taucht Henry wirklich auf, es kann losgehen! Wir fahren in das Naturschutzgebiet bis fast zu den Ruinen und gehen einen kleinen Weg in den Dschungel. Zuerst sind wir beide etwas enttäuscht- wie das soll eine Dschungeltour sein und wir laufen Wege? Doch als wir einen Bach queren, verlassen wir den Pfad und wandern bachaufwärts. Bald kommen wir zum ersten Wasserfall, den wir hochklettern und sofort wieder klatschnass sind- langsam gewöhnen wir uns an die Nässe;-). Immer macht uns Henry auf bestimmte Pflanzen aufmerksam und erklärt uns wie man sie als Heilkräuter benutzt, gegen welche Krankheiten sie helfen etc.
Auch einige Tiere können wir sehen, u.a. Tukane, Affen, Krebse (die plötzlich vor Anica im Fluss umher krabbeln), aber auch einige immense Termitenhaufen, riesige Spinnen, grüne Giftschlangen kreuzen unseren Weg. Wir laufen staunend umher, lassen Gerüche, Farben und Geräusche auf uns wirken. Die Blüten und Früchte (Zitronen, Chilis, Kakaobohnen) faszinieren uns. Abwechselnd geht es einen Weg entlang, querfeldein und Bäche aufwärts. Erneut steuern wir auf einen Wasserfall zu, diesmal ist er riesig. Die Steine sind etwas rutschig beim Hochklettern. Henry ruft “Vorsicht” und automatisch greife ich nach dem nächsten Baum, um mich festzuhalten. Fast hätte das fatal geendet: Ich fasse in den Dornenbaum, vor dem mich Henry warnen wollte. Seine Stacheln, die ich glücklicherweise sofort entfernen kann, ohne dass sie in mein Blut eindringen konnten, sind so giftig, dass sie töten können. Ab jetzt sind wir vorsichtiger! Doch Henry zeigt uns auch die Pflanze, deren Blätter das Gegengift enthalten, um die Vergiftung aufzuhalten. Bald darauf wartet das nächste Abenteuer. Wir stoßen auf eine halbverschüttete Mayabrücke, die wir im Stockdunkeln durchklettern. Die Strömung ist stark und der Tunnel eng. Langsam tasten wir uns vorwärts.
Plötzlich zückt Henry sein Handy und beleuchtet eine Ecke. In dem Moment schauen uns Fledermäuse an und flattern los. Anica schreit, als sie ihre Haare streifen. Sven, der ein Stück weiter hinten ist und die Fledermäuse nicht gleich sieht, weiß nicht genau was passiert ist. Während er danach noch einmal zurückkehrt um Fotos zu machen, erklärt Henry Anica, dass sie wirkliche Blutsauger sind und auch Menschenblut zu sich nehmen, aber dies zum Glück nicht bei sich zu Hause tun, sondern nur außerhalb. Später passieren wir einen noch nicht freigelegten, überwachsenen Mayatempel und einige verschüttete Mayawohnstätten. Nach dieser 4-stündigen, persönlichen Tour sind wir total K.O., aber glücklich. Dies war ein absolutes Highlight unserer bisherigen Reise! Zurück im Jungle Palace verabschieden wir uns von Henry und gehen erst einmal Mittag essen.
Gestärkt machen wir uns auf den Weg zu den Ruinen von Palenque. Der Anblick ist wieder einmal überwältigend. Die riesigen, in über hundert Jahren gebauten, mathematisch exakt ausgerichteten Gebäude sind diesmal umgeben von de Natur des Dschungels. Die Ruinen gehören zu den besterhaltendsten von Mexico, sind aber leider erst zu 5% freigelegt. Diesmal ist die Hauptpyradmide sogar komplett begehbar und so bekommen wir einen sehr guten Einblick in den inneren Aufbau. Nach ausgiebiger Besichtigung machen wir uns erschöpft zurück zum Jungle Palace um unsere Rucksäcke zu packen. Dank unseren Kompressionbeuteln finden wir noch etwas Trockenes zum Anziehen. Wir wollen gegen 21:00 Uhr den Bus weiter nach Merida nehmen, weil es in Palenque wenig Wachmöglichkeiten und weiter nichts besonderes zu sehen gibt. So ringen wir unsere nasses Gepäck notdürftig aus und verstauen es gut. Die Fahrt zum Bus, starten wir gegen 18:00 Uhr weil wir von erneuten Unwetterwarnungen gehört haben.
Wir wollen jetzt erst einmal weitestgehend trocken bleiben. S0 warten wir einige Stunden am Bahnhof, bekommen aber später Gesellschaft von Anna & Nicki geleistet, die ihre Tour weiter nach Tulum fortsetzen. Da unsere Reiseunterlagen alle nass und unbrauchbar sind, nutzt Anica die Gelegenheit und kopiert sich von ihnen die nötigen Seiten aus dem Lonely Planet für die Weiterreise. Wir fahren pünktlich ab und schlafen nach einigen Militärkontrollen endlich ein.